Rückkehr nach Deutschland

Aller Abschied ist schwer….

Rückkehr nach Deutschland
7.März.2020 Urlaub Mit Freunden, Bei Kapstadt, Südafrika.

Monatelang hielt ich Ausschau nach diesem besonderen Urlaub mit den besten Freundinnen. Und nun waren sie da, heil und unversehrt angekommen am Flughafen Kapstadt. Streng durchgetaktete Wochen standen bevor. Die Tage verflogen wie im Flug und schon musste wieder Abschied genommen werden. Traurig, voller Heimweh verabschiedete ich mich von meinen Freundinnen. In unseren Erinnerungen teilten wir einen unvergesslichen Urlaub voller aufregender Momente die uns nun verbanden. Nach nur einer Woche, zurück im Alltag, erwartet mich bereits ein spontanes Meeting auf der Arbeit. Doch von Corona war noch nicht viel die Rede, an demselben Morgen spekulierten wir Freiwilligen bereits, was wohl die nächstmöglichen Schritte der deutschen Regierung sein könnten, da bereits Ausgangssperrungen in einigen Bundesländern verhängt worden waren. Doch von den Nachrichten ließen wir uns keinerlei beeinflussen und machten uns tatsächlich darüber Gedanken, was wäre, wenn die Freiwilligendienste abgebrochen würden.

Wie ein schlechter Witz erreichte mich schließlich die Nachricht und unsere Spekulationen wurden Realität. Ich konnte nicht fassen, dass alles was ich in den vorigen Monaten gesammelt habe, meine Erfahrungen und Erlebnisse nun offiziell der Vergangenheit angehören und diese einmalige Reise ein Ende finden sollte. Von dem Tag an blieben mir sieben Tage, um Abschied zu nehmen. Eine Abschiedsparty nach der anderen. Es war jedoch mehr eine Reihe von Albträumen als eine Reihe von Feiern.                                                                             

Rückkehr nach Deutschland
18.03.2020 Abschiedsparty mit New World Foundation

Cape Town – Hamburg

Der 21. März kam schnell. Ein langer und anstrengender Flug stand bevor. So langsam merkte ich, dass das neuartige Corona-Virus keine kleine Sache mehr war und freute mich irgendwo darauf, in dieser schweren Lage bei meinen Liebsten und mit der Familie zu sein. Zum Glück lief der Rückflug trotz allgemeiner Unsicherheit und Nervosität reibungslos ab. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, wie es weiter gehen würde. In dem einen Moment freute man sich, in dem anderen Moment beschäftigte einen wieder die Trauer. Ich konnte meine Gedanken nicht sortieren.

Angekommen in Hamburg, Deutschland

Nach 24 Stunden kam ich endlich im kalten und ruhigen Deutschland an. Alles sah aus wie zuvor und es fühlte sich an als wäre alles stehen geblieben und nichts hatte sich verändert. Eigenkulturschock mischte sich mit Quarantäne.

Kulturshock: laut Google bezeichnet der Begriff Kulturschock, den schockartigen Zustand in dem Menschen verfallen können, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen.

Umso mehr ich mir über die Bezeichnung Gedanken mache, umso öfter frage ich mich, inwiefern das auf mich zutrifft. Nach meiner wieder Rückkehr in Deutschland, hatte ich kein blassen Schimmer, was mich erwarten wird. Ich bin zurückgegehrt in meine Heimatsstadt.  Aber befand ich mich tatsächlich in einem schockartigen Zustand?  Erst als Tage und Wochen vergingen wurde mir klar, dass ich mir das Einleben in Deutschland einfacher vorstellte, als es war. Ich musste mich an die neue Situation Zuhause gewöhnen, denn plötzlich teilte ich mir mein Zimmer wieder zutritt. Daran konnte ich mich nie wirklich gewöhnen, doch mir blieb nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Eben hatte ich noch meine eigenen vier Wände und genießte das unabhängige Leben. Und nutze die Stille und das allein Sein bei morgendlichen Podcasts. Nun fehlt mir der Raum zum Durchatmen. Doch, neben der familiären Situation machte mir die Frage zu schaffen, wie es weitergeht und was jetzt passieren wird.

Ich hatte keinen geregelten Alltag mehr. Aber als ich mir anfing Gedanken über meine Zukunft und meine nächsten Schritte zu machen, konnte ich mir einen besseren Einblick vom Leben in Deutschland machen und stellte fest, dass ich das Leben in Deutschland viel mehr wertschätze, als ich es zuvor tat. In Deutschland geht’s einem gut. Diverse Berufsmöglichkeiten, gesetzliche Krankenkassen, staatliche Unterstützung bei allen möglichen Anliegen, dank meinem Auslandjahr, kann ich das heute wertschätzend anerkennen.

Um nun auf die Frage einzugehen ob mein Einleben in Deutschland ein Kulturschock, hinterließ oder mit sich brachte.  Ja, absolut. in meinem Umfeld fühle ich mich oft unverstanden und weiß nicht wie ich anderen Menschen von meinen Erlebnissen oder Erfahrungen erzählen soll, ohne sie einzuschüchtern oder zu langweilen. Es ist schön, dass unsere Entsendeorganisation die Videokonferenzen arrangiert, dies bietet die Möglichkeit mit anderen Freiwilligen im Austausch zu kommen. Eine große Herausforderung ist es für mich, mit der gelebten Realität klarzukommen, da meine Erwartungen und meine Weltanschauung sich geändert haben und nicht mehr mit der übereinstimmen.  Doch der Eigenkulturschock hat tatsächlich einen guten Nebeneffekt. Denn durch die neuen Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen, die ich kennenlernen durfte, fällt es mir einfacher mit anderen Kulturen umzugehen.

Zukunft….

Offiziell bleibe ich bis Ende Juli 2020 Freiwillige fürs Zentrum für Mission und Ökumene. Zurzeit bin ich noch unentschlossen, ob ich mein Abitur fortsetzte, eine Lehre starte oder doch ein Studium anfange. Ich schreibe Bewerbungen. Doch vorerst engagiere ich mich bei meiner alten Schule und verteile Post für die Kinder, die Zuhause keinen Internetzugang haben, was äußert viel Spaß macht.

Entwicklungs-politischer-freiwilligen Dienst, bei   Südafrika, Kapstadt August 2019 – März 2020

Ema 30.05.2020

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