Das Leben in Huixian oder auch: Das Leben in der unbedeutendsten Stadt der Welt

Ich habe ungefähr vier Monate lang in Huixian gelebt und gearbeitet und möchte hier etwas darüber berichten.

Erstmal über Huixian selbst, der Name Huixian wird sowohl für den Landkreis als auch die gleichnamige ‚Stadt‘ benutzt. Der Landkreis und somit auch die ‚Stadt‘ gehören zu Longnan einer relativ kleinen Stadt im Süden der Provinz Gansu. Die Provinz Gansu liegt geografisch fast im Zentrum Chinas und dehnt sich weit in den Norden aus und gehört zu einer der ärmsten Provinzen Chinas. Gansu ist flächenmäßig die siebtgrößte Provinz und ist damit etwas größer als Deutschland, hat allerdings nur ca. 26 Millionen Einwohner. Wie kann man sich das also vorstellen?
Eine Freundin aus Deutschland erzählte mir, dass sie sich ‚das wo ich wohne‘ als kleines Dorf vorstellt, umgeben von scheinbar endlosen Weiten, wo Kühe grasen. Auch ein chinesischer Verwandter von mir meinte, dass wenn Huixian in Deutschland wäre, es ein 200- Seelen- Dorf wäre. Allerdings ist dem nicht ganz so, der Landkreis Huixian hat ca. 200.000 Einwohner, ungefähr die Hälfte davon lebt in „der Stadt“. 100.000 ist schon einiges in Deutschland, allerdings nicht in China. Wir mussten hier also erst einmal lernen in einem ganz anderen Maßstab zu denken. Die Schule an der wir unterrichteten hat zwar nur drei Jahrgänge hat jedoch mit über 2500 Schülern fast genauso viele Schüler wie das Dorf in dem ich aufwuchs. Jede Woche unterrichtete ich mehr Schüler als mein Gymnasium insgesamt hat. Und dennoch bleibt Huixian irgendwie ein Dorf, es jeder scheint jeden zu kennen. Man gelangt fußläufig bequem zu allen interessanten Orten und die meisten Leute kannten uns, bevor wir sie überhaupt kennenlernten.

Das Leben in Huixian oder auch: Das Leben in der unbedeutendsten Stadt der Welt
Alle Schüler auf dem Schulhof versammelt

Dort lebten wir nun also. Wir wohnten im ehemaligen Dormitory building der Schule, früher haben hier auch Schüler gelebt, doch mittlerweile wird das Gebäude für alles Mögliche genutzt, im zweiten Stock ist eine Tischtennishalle, im vierten eine Kunstgalerie, im sechsten Orchesterprobenräume und im dritten neben unseren Wohnungen hauptsächlich Lehrerzimmer.
Ein Vorteil am Leben in der Schule war definitiv das Essen in unserer Kantine, meist dreimal täglich bekamen wir dort eine warme Mahlzeit, manchmal ließen wir das Frühstück jedoch ausfallen oder kochten selbst etwas. Die Köche unserer Schule waren unter anderem die konstantesten und liebenswertesten Personen in unserem Alltag. Da die Schüler mittags und abends zu Hause essen, waren wir oft fast allein in der Kantine. Die Köchin hat sich immer genau gemerkt was wir mögen und was nicht und dementsprechend für uns gekocht.
Am Wochenende mussten wir uns dann selbst versorgen, oft ließen wir einfach das Frühstück ausfallen und aßen einmal ‚draußen‘ und kochten einmal selbst. Obwohl wir sehr selten wirklich Lebensmittel benötigten, kauften wir sehr gerne ein, z.B. im Changhe Supermarkt, direkt gegenüber der Schule. Meistens kaufen wir dann Kleinigkeiten wie Obst, Eier oder etwas für unser Frühstück.

Das Leben in Huixian oder auch: Das Leben in der unbedeutendsten Stadt der Welt
Ein typisches Essen in der Schulkantine

Insgesamt war das Leben in der Schule also sehr angenehm, vor allem da wir uns um wenig kümmern mussten, beispielsweise wurde uns, wenn wir Bescheid sagten in Windeseile ein neuer Wasserkanister direkt in die Wohnung geliefert.

Ich unterrichtete im Jahrgang 7 die Klassen 10-18 und im Jahrgang 9 die Klassen 1-7, gemeinsam mit Jenny hielten wir im Sommer eine English Corner für den Jahrgang 8 und unterrichten die Klasse 16 Jahrgang 8 wöchentlich. Obwohl das erstmal viel klingt, hält sich die Arbeit wirklich in Grenzen, da ich den Jahrgang 9 nur alle zwei Wochen unterrichtete und dadurch nur 1,5 neue Stunden pro Woche planen musste. Der Hauptteil der Arbeit ist also das Unterrichten selbst. Dazu hatte ich einen festen Stundenplan, wo ich wann sein musste und konnte aber über die restliche Zeit frei verfügen. Das Unterrichten selbst hat meistens sehr viel Spaß gemacht, das hängt natürlich auch davon ab, ob die Schüler Spaß am Unterricht hatten, aber nach einer Weile konnte ich meine Klassen ganz gut einschätzen. Meist habe ich zwischen drei und sechs Unterrichtsstunden am Tag gehalten, manchmal hatte ich aber auch nur eine Stunde, das kam ganz auf die Woche und den Tag drauf an. Zweimal de Woche hatten Jenny und ich noch Chinesischunterricht, den ich sehr hilfreich fand. Recht sporadisch hatten wir auch noch Kunstunterricht mit einem Kunstlehrer der Schule.

Das Leben in Huixian oder auch: Das Leben in der unbedeutendsten Stadt der Welt
Jenny und ich mit unserem Kunstlehrer

Außerhalb des Unterrichtens hatten wir recht viel Freizeit, unter der Woche ging ich oft zu einem Yoga-Kurs, manchmal kam Jenny auch mit. An den Wochenenden wurden wir die ersten Monate immer von Lehrern zu verschiedensten Aktivitäten eingeladen, was meist sehr interessant, aber auch teilweise ein bisschen anstrengend war. Danach gestalteten wir unsere Wochenenden etwas entspannter. Manchmal unternahmen wir etwas mit Schüler*innen oder befreundeten Lehrer*innen und ich bin mindestens einmal am Wochenende auf den kleinen Berg der Stadt gestiegen, man musste zwar einiges an Treppen hochsteigen, jedoch hatte man danach Aussicht auf die ganze Umgebung oder konnte sich einen Platz in einem der kleinen Pavillons im Wald suchen.

Das Leben in Huixian oder auch: Das Leben in der unbedeutendsten Stadt der Welt
Huixian – ein bescheidenes Örtchen von 100.000

Insgesamt ist Huixian ein gemütliches Örtchen umgeben von Natur. Der Alltag dort ist weniger hektisch als man es von China kennt und auch mein Alltag war meist recht ruhig, weshalb ich am Wochenende gerne auch mal in eine größere Stadt fuhr.

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