Vivimos EnAcción

Vivimos EnAcción

Über das Zurückkommen habe ich jetzt schon erzählt. Aber viel wichtiger ist ja eigentlich, wo ich eigentlich herkam, wo ich war und ganz am Anfang hingekommen bin.

Mein Projekt heißt EnAcción. Das passt ziemlich gut und auch schon die Art, wie es entstanden ist, hängt mit viel Aktion zusammen. Das Projekt besteht aus einem sehr großen Campus mit Fußballfeld, kleinem Spielplatz und zwei Häusern, in denen die Aktivitäten stattfinden können, außerdem gibt es dort noch Büros, Küche und Lagerräume. All das existiert seit 21 Jahren. Davor war der Campus ein Platz, um Müll dort abzuladen. An den Wänden hängen noch heute viele Bilder des Aufräumens und des Aufbaus der Organisation, an dem viele Menschen aus der Nachbarschaft beteiligt waren.
Die neuen Gebäude, die ich als selbstverständlich wahrnahm, gab es allerdings noch nicht 21 Jahre, sondern erst seit dem Vorjahr. Vorher hatten die Aktivitäten im einen Block weiter liegenden Gemeindehauskomplex der katholischen Kirche von Los Polvorines statt gefunden.

Aktivitäten gibt es wirklich viele. Gesprächsrunden für Frauen in verschiedenen Altersgruppen und eine für Männer, Schulnachhilfe und Jugendgruppen, Tanzen, Malen und Zeichnen, Garten, Fotografie, Programmieren, Fußball nach Altersgruppen, früher auch Musik, Computerkurs für EinsteigerInnen, Treffpunkte für NachbarInnen und Kinderbetreuung.

Vivimos EnAcción
“Kunst” ein Wandgemälde vom Kinderkunstkurs

Die Fülle dieser Angebote ist auch Grund für das große Team von über 40 Leuten, die bei EnAcción arbeiten. Irgendwie muss so ein Team koordiniert werden und daher ist es in Sparten unterteilt: Die, die sich mit den Aktivitäten befassen, diejenigen, die für die Nachbarschaftsarbeit zuständig waren, die PR und Kommunikation, das Team für Instandhaltung und Haushalt, Sistematisation und die Koordination, was aber nicht bedeutet, dass man als MitarbeiterIn von EnAcción nur einer dieser Sparten angehören kann.

Tatsächlich hatten viele meiner KollegInnen noch andere Jobs neben EnAcción, entweder in der Schule, an Unis oder in ganz anderen Bereichen und es gab auch einige, die noch nebenbei studierten und sich über EnAcción hinaus engagierten. Ich habe mich häufig gefragt, wie das überhaupt möglich sein kann und war sehr beeindruckt.

An dieser Stelle möchte ich euch eine meiner Kolleginnen vorstellen. Sie arbeitet in ena (so wird EnAcción organisaionsintern abgekürzt) vor allem in den Projekten Apoyo Escolar (Schulnachhilfe und Treff von Kindern der Grundschule) und Educación Joven (ähnliches Format, aber für Jugendliche der weiterführenden Schule). Außerdem ist sie auch  Koordinatorin der Sparte bildungsorientierter Angebote und im Sistematisierungsteam, das sich mit der digitalen Verwaltung der Mitgliederlisten, der Datenerhebung für die Reflexionsdynamiken usw. beschäftigt. Das ist schon ziemlich viel Arbeit, aber gleichzeitig ist sie auch noch in der Frauenbeweung engagiert und bestimmt habe ich auch noch was vergessen.

Am Vormittag finden abgesehen vom Alphabetisierungskurs keine Angebote statt und in dieser Zeit waren ich und mein Mitfreiwilliger Nico dann zusammen mit Nestor und Emi beim Mantenemiento, was meistens aus Rasenmähen (für mich aber mehr zusammenhaken), Zaun reparieren, Müll sammeln, Streichen usw. bestand. Danach kochten wir zusammen etwas und es muss nur noch gesagt werden, dass beide ziemlich gute Köche sind.
Eine alternative Vormittagsbeschäftigung wäre auch der Sabor de Vida (Geschmack des Lebens), ein Lebensmittellager, das viel Sortieraufwand erfordert. Dort werden Produkte des alltäglichen Bedarfs, die Ena kauft oder gespendet bekommt, gelagert und an TeilnehmerInnen der Angebote nach bestimmten Kriterien ausgegeben. Außerdem bietet diese Arbeit aber auch viel Zeit zum Austausch, was wir ausgiebig genutzt haben.
Zu guter Letzt wäre da noch das Putzen. Klos, Böden, Küchen und Müll rausbringen gehört auch hier dazu, denn es ist ein echt großes Gelände mit vielen Leuten, die sich dort bewegen.

Nachmittags wird es dann noch etwas abwechslungsreicher, denn die verschiedenen Angebote finden statt und es kommen viele der NachbarInnen, schauen kurz vorbei, um ein bisschen zu erzählen, haben ein Gespräch mit MitarbeiterInnen der Nachbarschaftshilfe oder nehmen an den Projekten teil.
Ein Format, das vor allem im Sommer viel statt fand, weil dort die Projekte ausgesetzt sind, ist das Campito Abierto (Offenes Campito, also Gelände von Ena). Dort gibt es freie Bastelangebote und kleine Spiele, die Leute kommen und gehen, trinken einen Mate, bringen etwas zu essen, es ist Zeit für den Garten, Zeit Fahrräder anzusprühen und sehr viel Tischkicker zu spielen.
In der Saison, in der es Aktivitäten gibt, findet das Campito abierto nur Samstags statt, der aber auch für die Ferias (kleine Märkte) und Feste (Siehe Titelbild vom Artikel) von EnAcción genutzt wird.

Außderdem gibt es einmal monatlich Weiterbildungen und Planungstreffen der einzelnen Sparten, die sehr lustig sind und für mich gerade am Anfang mit einem erheblichen Aufwand verbunden waren, wenn ich der Unterhaltung folgen wollte. Doch letztendlich kam es dadurch zu einem guten Gleichgewicht zwischen körperlicher Arbeit, geistiger Planungsarbeit und dem Begleiten von Aktivitäten.

Danach wird noch kurz aufgeräumt, der Mate ausgespült, das Licht ausgemacht und ich suche mir jemanden, der/die mich nach Hause bringt, um noch ein bisschen zu schnacken.

Vivimos EnAcción
Das Campito in der Abendröte

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