4 Monate in Argentinien

Nun ist bereits ein Drittel meiner Zeit hier in Argentinien vergangen und Weihnachten naht. Dass sich das gar nicht so anfühlt, liegt wahrscheinlich an den hohen Temperaturen und der Jahreszeit insgesamt, schließlich wird dieses Weihnachtsfest das erste sein, welches ich im Sommer feiern werde. 

Zu Gast werden wir bei unserem Mentor und seiner Familie sein, worauf ich schon sehr gespannt bin. Mal sehen, ob das Fest dem in Deutschland ähnelt. 

Dekorationen gibt es bisher noch kaum, aber vielleicht kommt das noch, da es hier keine Adventszeit gibt. Am ersten Adventssonntag gab es aber in der kleinen evangelischen Kirche einen Gottesdienst, welcher aber auch keine Anzeichen auf die bevorstehende Zeit gab. Leider ist die Kirche so klein, dass es keinen Pastor gibt, weshalb der Gottesdienst mehr im Gemeinschaftsverfahren geleitet wird; es gibt viele Vorlesungen aus der Bibel und viele Lieder. So dauerte der Gottesdienst immerhin eine ganze Stunde an, was lustigerweise länger als zu Hause in Zarpen ist.   

Wie schon einmal erwähnt, geht hier das Schuljahr nicht wie in Deutschland von August / September bis Juli, sondern von Februar bis Dezember. Das bedeutet, dass sich das Kindergartenjahr auch dem Ende neigt. Zu diesem Anlass gibt es diesen Freitag eine Abschlussfeier im Kindergarten, von deren Programm wir noch nicht sehr viel wissen, aber jede Gruppe führt einen kleinen Tanz auf und es gibt Essen und Trinken. Außerdem werden amerikanisch anmutende Hüte für die Absolventen der Gruppe Drei gebastelt. Leider schaffen drei Kinder den Sprung in die Vorschule nicht, da sie noch etwas zu klein sind. Wir müssen uns also nicht an eine ganz neue Gruppe gewöhnen. 

Diese Veränderung wird die größte seit langer Zeit sein. Der Tagesablauf ist jeden Tag der Gleiche. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, zumindest den Morgen etwas genauer zu beschreiben.

Wenn wir um 7:29 Uhr die Treppe runter zum Kindergarten gehen, um pünktlich um 7:30 Uhr anzukommen, erwarten uns bereits zwei Kindergärtnerinnen und einige wenige Kinder, von denen die Meisten noch, bzw. wieder schlafen. Wir setzen uns dann an einen Tisch, wo wir die erste halbe Stunde verbringen, da es dort noch nicht zu tun gibt; die Erzieherinnen nutzen diese Zeit um zu Frühstücken. Ab 8 Uhr kommen dann immer mehr Kinder, die dann, noch etwas verschlafen, spielen. In dieser Zeit spielen wir mit den Kindern oder passen auf sie auf, häufig fehlt so früh am Morgen einfach noch die Energie herumzutoben. In Argentinien sind die Tage bekanntlich länger als in Deutschland, weshalb die Kinder teilweise auch bis Mitternacht aufbleiben. 

Um 8:30 Uhr ist es Zeit für das Frühstück. Dazu gibt es Kekse und Milch oder Kakao. Hierbei erzählen die älteren Kinder den Erzieherinnen häufig Dinge aus den letzten Tagen oder fragen stolz, ob sie nach dem Aufsagen des Gebets zu Beginn der Mahlzeit gehört wurden. Die Kinder sitzen ziemlich ruhig, bis dann um 8:45 eine weitere Erzieherin kommt, wodurch einige Kinder dann etwas unruhig werden und aufstehen wollen, um sie zu begrüßen. 

Alle Kinder müssen aber sitzen bleiben und die Erzieherin geht um den Tisch und begrüßt jedes Kind mit Handschlag oder Kuss. Danach wird der erste Mate eingeschenkt und die Erzieherinnen unterhalten sich über den letzten oder kommenden Tag, andere besondere Ereignisse oder – natürlich- das Wetter. Das Wetter scheint hier Gesprächsthema Nummer eins zu sein, was aber verständlich ist, da viele Themen wie Politik zu sensibel sind und somit für eine nette Unterhaltung nicht geeignet sind. 

So richtig höre ich bei den Unterhaltungen der Kindergärtnerinnen aber nicht hin, da mittlerweile die vierte und letzte Erzieherin gekommen ist und die Einjährigen (eigentlich schon zwei) kaum auf ihren Stühlen zu halten sind und somit alle Hände voll zu tun ist. 

Nach dem Frühstück wird die Flagge gehisst und gesungen. Dazu ist dann auch die Chefin dabei. Danach geht es ans spielen der Tag nimmt seinen Lauf. Dies war an zwei Tagen im letzten Monat aber nicht der Fall.

Anlässlich der neuen Kinderrechte wurden die Familien eingeladen, im Kindergarten ein Fest zu feiern. Dazu wurden verschiedene Stationen aufgebaut, beispielsweise gab es Crocket, Verkleidungen und andere Spiele. Das war sehr schön, da ich die Chance hatte, viele Elternteile kennenzulernen, die ich bisher noch nicht kannte. Außerdem hatten die Kinder viel Spaß und es stellte eine Abwechslung des Alltags dar. Gedauert hat diese Veranstaltung leider nur zwei Stunden, wodurch ich das Gefühl hatte, dass die Feier gerade begonnen hatte und schon wieder aufhörte. 

Eine weitere Abwechslung war dann der Zahnarztbesuch im Kindergarten, zu dem ein animierter Kurzfilm gezeigt wurde, in dem auf Karies aufmerksam gemacht werden sollte, was auch dringend nötig ist, da sehr viele Kinder Karies oder sogar einen bereits verfaulten Zahn haben. Nach dem Film gab es dann eine Vorführung, wie man sich richtig die Zähne putzt, was die Kinder dann auch mit Einmalzahnbürsten selbst ausprobieren konnten. Insgesamt hat mich der Vormittag sehr an einen Besuch eines Zahnarztes in Deutschland erinnert, offen bleibt aber natürlich, ob das erlernte auch umgesetzt wird. Aufmerksam und interessiert waren die meisten Kinder aber.

Weihnachten steht jetzt also vor der Tür und ich wünsche allen ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest.

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